C.7 Naturverhältnisse und Degrowth im Staatssozialismus

Deutschland und Kuba im Vergleich. Techniken und Grundlagen für einen besseren, ökologischen Sozialismus.

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Einige Ziele die heute zum Konzept von Postwachstum und Ökologie gehören waren schon einmal näher an ihrer Verwirklichung als heute. Im Staatssozialismus von Kuba bis zur Mongolei gehörten eine lokale Produktion, öffentliche Verkehrsmittel und langlebige Konsumprodukte zum Alltag. Zudem kam die Masse der Bevölkerung in den Genuss einer im Vergleich zu heute guten Bildung, Gesundheitsversorgung und Grundsicherung.

Durch die völlig Umwelt-ignorante Industrieproduktion war die Umweltbilanz jedoch schlecht bis verheerend, exzessiver Bergbau, tote Flüsse, Tschernobyl, Aralsee, gerodete Wälder, Dunstwolken über den Städten - die Liste der Verfehlungen ist lang. Dabei haben sich die UdSSR und die DDR, während der Diskussion um die Grenzen des Wachstums in den 1970er Jahren, früh schon Umweltschutz zum staatlichen Ziel gesetzt. Sie konnten dem nur niemals gerecht werden.

Ähnlich wie heute gab es durchaus Fraktionen in Wissenschaft, Politik und Dissidentenszene, die umsteuern wollten, damit aber keinen Erfolg hatten. In einem Rückblick auf den deutschen Weg des Staatssozialismus, die DDR, wollen wir untersuchen, wie die industrielle Produktionsstruktur, die Diktatur einer Partei, aber auch das sozialpsychologische Konsumverhalten der Mehrheit die gesellschaftlichen Naturverhältnisse zementierten und eine Postwachstumswende verhinderten.

Mit Blick auf Kuba wollen wir uns mit einem erfolgreichen, wenn auch unfreiwilligen Degrowth-Modell der letzten Jahre befassen besonders im Bereich Bio-Landbau und Wohlbefinden ohne hohen Konsum und Energieverbrauch.

Aus dem historischen Rückblick wollen wir theoretische Schlüsse und praktische Werkzeuge für ein zukünftiges Gesellschaftsmodell entwickeln, dass bürgerliche Freiheiten mit sozialer Gerechtigkeit, Postwachstum und einem nicht-zerstörerischen Naturverhältnis verbindet.

Methodisch ist das Seminar eine Trias aus Textlektüre, kurzen Vorträgen und Diskussionen. Wer mitmachen möchte, sollte zur Vorbereitung die Grundlagentexte lesen. Am ersten Tag werden wir diese gemeinsam besprechen. Am zweiten und dritten Tag ist Raum für Kleingruppen, die sich in ein Unterthema vertiefen, mit vorbereiteten Texten und Diskussionen im Plenum und in der Gruppe. Am vierten Tag diskutieren wir den Ausblick und ziehen gemeinsamen Schlüsse mit Blick auf die Fragestellung, was ist zu lernen aus dem ökologischen Scheitern einer Gesellschaft?