C.8 Kurswechsel 1.5 Grad

Geoengineering, technofixes und Wege in eine klimagerechte Zukunft

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Das im Pariser Abkommen in 2015 beschlossene internationale Ziel, die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen, stellt eine alte Frage mit neuer Dringlichkeit: In was für einer Welt wollen wir leben?

Der klimapolitische Mainstream schlägt gegenwärtig technologische, undemokratische und marktgetriebene „Lösungen“ für die Klimakrise vor: „grüne“ Märkte und solche für Treibhausgase, Klimakompensationen („offsets“) und neue Technologien zur Eindämmung der multiplen sozialen und ökologischen Krisen vor, die jedoch nur Symptome bekämpfen (können).

Mit der Drohkulisse der Alternativlosigkeit, das 1.5-Grad-Ziel nicht anders erreichen zu können, werden zudem in zunehmendem Maße die Erforschung und Entwicklung großmaßstäblicher Technologien vorangetrieben, die die Klimakrise abwenden sollen: So wird einerseits daran gearbeitet – nicht zuletzt mit der Rückendeckung von Kohle- und Ölindustrie - das erwartbare Zuviel an CO2 unter der Erde zu speichern oder anderweitig aus der Atmosphäre zu entfernen. Zum anderen gibt es Pläne und konkrete Feldexperimente, einen Teil der Sonneneinstrahlung zu verhindern - etwa durch Partikel, die in die Stratosphäre eingebracht werden sollen oder durch genetisch modifizierte Pflanzen, die stärker Sonnenlicht reflektieren.

Dieser Vielzahl an Technologien, die unter dem Begriff Geoengineering diskutiert werden, ist gemein, dass sie im großen Stil in das Erdsystem eingreifen, unerprobt und hochriskant sind, teilweise mit immensem Flächenverbrauch und allesamt mit großen Risiken für die gesamte Menschheit und bereits jetzt stark beeinträchtigte Ökosysteme einhergehen. Ihnen zugrunde liegt die Vorstellung, der menschengemachten und systemischen sozial-ökologischen Krise mit einem globalen, undemokratischen Masterplan und dem großmaßstäblichen Einsatz von Technologien begegnen zu können.

Im ersten Teil des Workshops wollen wir uns daher kritisch mit Geoengineering-Technologien und der „technofix“-Mentalität, auf der sie beruhen, auseinandersetzen. Ziel ist es, die Technologiekritik an Geoengineering aus Postwachstumsperspektive weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig gibt es alternative Ansätze, die im klimapolitischen Mainstream systematisch vernachlässigt werden, obwohl sie auf dem beruhen, was wir hier und jetzt wirksam tun können: Der sofortige Ausstieg aus den fossilen Energien, der Ausbau dezentraler Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, der Schutz von Wäldern und Mooren, die nachhaltige Wiederherstellung von geschädigten Ökosystemen, Agrarökologie, die Vermeidung von Abfall durch Kreislaufwirtschaft, die Neugestaltung der Mobilität und vieles mehr.

Diese Lösungen sind divers, dezentral, lokal adaptierbar - und erlauben es, Menschenrechte, demokratische Teilhabe und Ökosysteme zu schützen. Im zweiten Teil des Workshops wollen wir aus Postwachstumsperspektive weiterentwickeln, welche klimagerechten und demokratischen Lösungen und radikale Emissionsreduktionspfade wir brauchen, um die sozialökologische Transformation einzuschlagen.

Info

Day: 2017-08-22
Start time: 10:00
Duration: 02:30
Room: Zelt 16 / tent 16
Track: Kurse / Courses
Languages: de